Mittwoch, 18.10.2017 01:55 Uhr

Goodwood Revial 2017: Die Eifel zu Gast in England

Verantwortlicher Autor: Erich Hein Westsussex, 07.10.2017, 14:04 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Auto und Motorsport +++ Bericht 2221x gelesen
Goodwood 2017
Goodwood 2017  Bild: Erich Hein

Westsussex [ENA] Liebe Leser, hatten Sie nicht auch schon einmal den Wunsch in einem Theaterstück mitzuspielen, einen oder mehrere Tage fernab von der Gegenwart einzutauchen in die Inszenierung einer längst Vergangenen Zeit; des historischen Motorsports mit seinen legendären Autos und dessen Helden am Steuer.

Dann kleiden Sie sich im Stil der 50iger- und 60iger Jahre und kommen Sie im September nach Westsussex im Süden Englands und seinen Sie Teil des größten Freilichttheaters des Planeten, dem „Goodwood Revival Meeting“. Lesen Sie und lassen Sie sich verzaubern vom schier unerschöpflichen Ideenreichtum vom Besitzer des Areals und seiner Crew, dem motorsportbegeisterten Lord March.

Ob auf oder neben der legendären Rennstrecke in Goodwood, alles ist spektakulär und bühnenreif. Etwa die magische Reinszinierung der Nürburgring Boxengasse aus dem Jahre 1957. Gewidmet Manuel Juan Fangio, der 1957 beim Großen Preis von Deutschland, eines der spannendsten Rennen der Motorsportgeschichte mit seinem Maserati 250F neun Rundengekorde und den Sieg einfuhr. Eine grandiose Atmosphäre, fühlte man sich doch versetzt in die große Zeit des Nürburgrings. Oder die 130 originalen schnuckeligen Fiat 500, die bereits im Eingangsbereich liebevoll eingebetet in eine italienische Dorfkulisse ihren Platz hatten und mit ihrem Demo- Lauf zum 60. Geburtstag ihre Lebensfreude an die Zuschauer weitergaben.

Sogar der Freistaat Bayern gab sich die Ehre, Wiesenromantik pur, Weizenbier und Sauerkraut inklusive. Der Anblick des metallicblauen Rennwagenmeeres der Ecurie Ecosse, die Nationalflagge, die im Wind flatterte und der erhebende Klang der Dudelsäcke, Schottland sorgte für eine grandiose Reizüberflutung der Besucher. Der einst von Sir James Scott Douglas pilotierte Jaguar XK 120 Roadster „LXO 126“ und das einzige Exemplar der drei XK 120 die die Farben von Ecosse trug – ein einzigartiges Fahrzeug – das seines gleichen sucht.

Auf keiner anderen Rennstrecke auf der Welt wird mit historischen Automobilen und Motorrädern so schnell gefahren, so hart gekämpft, ob im Vorkriegswagen, GP- Fahrzeug, Motorrad bis hin zum kompletten originalgetreuen Neuaufbau. Jedes, aber auch jedes Rennen, sei es der Chichester Cup für Formel- Junior- Renneagen, der Madgwick Cup für kleiner Sportwagen von 1955 bis 1960 oder die Barry Sheene Trophy mit seinen wagemutigen Motorradpiloten mit ihren Maschinen bis 1966 ist eine Hommage an den historischen Rennsport schlecht hin. Die Tribünen immer proppevoll und an der Rennstrecke stehen die Zuschauer in fünf bis zehner Reihen.

Auch das diesjährige „Typische Eifelwetter“ mit Regen, Wind und Sonnenschein schreckte Fahrer und Zuschauer nicht, ihre Begeisterung zu bremsen. Freitag, am Tag eins, machte der Regen erst im Laufe am späten Nachmittag eine Pause, so dass die meisten Trainingläufe auf nasser Fahrbahn stattfanden. Abends beim ersten Rennen, der Kinrara Trophy goss es wieder in Strömen, ein schwieriges Unterfangen für die 27 Fahrerduos mit ihren GT-Fahrzeugen. Dank ihrer moderneren Hinterachse mit den innenliegenden Bremsscheiben und Einzelaufhängungen hatte die Jaguar E bei diesen Verhältnissen einen Vorteil gegenüber Ferraris und Aston Martins.

Samstag, der zweite Renntag begann mit Sonnenschein der bis in den späten Nachmittag anhielt. Bei der Brooklands Trophy, die an die legendäre Zeit der Langstreckenrennen der Vorkriegswagen in Brooklands erinnerte, konnte der Österreicher Niklas Halusa in einem toll pilotierten Alfa Romeo 8C 2300 MM den Sieg einfahren. Mit Thomas Kern der in seinem traumhaft weißen Mercedes- Benz 710 SSKL den dritten Platz belegte, gab es zwei deutschsprachige Fahrer auf dem Brooklands- Podest. Bei der traditionellen St. Marys Trophy für Tourenwagen waren diesmal den Autos aus den Fünfzigerjahren vorbehalten.

Im nassen Qualifying lagen noch vier kleinen 1300er- Austin A4 vorne. Im Rennen jedoch legte der Deutsche Frank Sippler in seinem mächtigen Jaguar MK1 eine beeindruckende Leistung hin und gewann vor Jason Plato im Austin A95 Westminster das Rennen. Mit einem besonderen Fahrzeug wartete der Basler Urs Müller bei der Goodwood Trophy auf. Mehr als 10 Jahre dauerte die Restaurierung seines Maserati 6CM von 1938, mit er hier erstmals an den Start ging. „Es ist ein Auto mit einer wirklich tollen Historie“, schwärmte Müller, denn der Maserati mit 1500er- Kompressormotor setzte einst die Scudeira Ambrosiana mit den legendären Piloten Luigi Villoresi und Franco Cortese ein.

Trotz des einsetzenden Regens im Rennen war am Schluss, Platz 10 von 29 gestarteten Wagen, ein tolles Ergebnis. „Es war enorm rutschig. Der Maserati läuft hervorragend, aber ich habe noch nicht das richtige Vertrauen, weder ins Auto, noch in mich oder die Strecke bei diesen Verhältnissen. Es Macht trotzdem enorm viel Spaß“, O- Ton Urs Müller. Sonntag, der dritte und letzte Tag einer grandiosen Zeitreise, fieberten die Besucher dem größten Rennen des Events entgegen, dem RAC TT Celebration Race. Das einstündige Rennen der GT- Fahrzeuge der frühen 60er- Jahre mit Fahrerwechsel war mit Profis und routinierten Historic Fahrern besetzt.

Jaguar E-Tpye und AC Corba lieferten sich ein außergewöhnlich spannendes Rennen, das die Cobra am Ende gewann. Trotz der spannenden Aktionen auf der Strecke geht beim Revival sonst erfrischend entspannt zu. In den Rennpausen, schlendert man über dem riesigen Gelände, begegnet dem ein oder andere Promi, wie Derek Bell, Jochen Mass oder Jackie Ixck, kauft sich auf dem Revival- Market einen neuen Hut, tanzt zu Rock and Roll und trinkt Goodwood- Ale. Ist Ihr Interesse geweckt? Dann im November Eintrittskarten und Hotelzimmer reservieren. Wir sehen uns im September 2018 in Goodwood.

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