Mittwoch, 18.10.2017 02:03 Uhr

Jonathan Rea – Eine Demonstration der Stärke

Verantwortlicher Autor: Klaus Fritzsching Portimao / Portugal, 21.09.2017, 16:41 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Auto und Motorsport +++ Bericht 4466x gelesen

Portimao / Portugal [ENA] Im letzten Training vor der Qualifikation zur Startaufstellung der Superbike WM kam es zu einem folgenschweren Crash. Der Zweite der Gesamtwertung Tom Sykes wurde auf einer Bergkuppe von seiner Kawasaki katapultiert und schlitterte neben dem brennenden Bike bergab. Neben kleineren Brandverletzungen zog er sich einen Fingerbruch zu und musste auf den Start in Portimao verzichten.

Im Starterfeld der Superbike Elite fehlte auch der Schweizer Randy Krummenacher. Er hatte sich nach seinem Sturz am Lausitzring röntgen lassen, wobei der Bruch des Handgelenkes festgestellt wurde. Für ihn war Urgestein Anthony West am Start. Der Australier fährt alles was 2 Räder und einen Motor hat und ist immer hoch motiviert. Stefan Bradl hatte in der Qualifikation einen ausgezeichneten achten Platz erreicht. Leider konnte er diese gute Ausgangsposition nicht nutzen. Denn der Deutsche war das erste Sturzopfer im Rennen.. In Runde 3 kam das Aus für Bradl. Aus Reihe 1 durften Rea, Laverty und Savadori losfahren. Der amtierende Weltmeister Jonathan Rea gab gleich richtig Gas und setzte ab.

Laverty auf der Aprilia führte zunächst die Verfolgergruppe an, wurde aber im Lauf des Rennens durchgereicht. Als ersten musste er den nur von Platz 9 gestarteten Chaz Davies passieren lassen. Doch als Davies in Runde 5 am Iren vorbei kam, hatte Rea schon über 4 Sekunden Vorsprung. Dann der nächste Sturz, bei dem man sich fragt, ob es wirklich stimmt, das Zwillinge oft das gleiche machen. In der MotoGP ist Sam Lowes mittlerweile der Sturzkönig, in der Superbike WM trifft dies auf Alex Lowes ebenfalls zu. Doch eines scheinen beide zu sein, schmerzfrei. Kurz vor Ende des Rennens wurde es noch einmal spannend im Kampf um Platz 3.

Denn MVAgusta Einzelkämpfer Leon Camier kam immer näher an Marco Melandri heran. Es fehlte nicht viel, aber Melandri behauptete Platz 3. Ohne ersichtliche Fehler fuhr Jonathan Rea einen ungefährdeten Sieg vor Chaz Davies ein. Hinter Camier wurde Michael van der Mark Fünfter. Der Holländer wird am nächsten Wochenende die Yamaha von Valentino Rossi in der MotoGP pilotieren. Torres, Laverty, Savadori, Fores und Ramos komplettierten die Top 10. Nach dem Rennen sagte Stefan Bradl, er wolle die positive Entwicklung im Honda Team nutzen und dies am Rennen am Sonntag umsetzen.

Der Sonntag begann mit dem Rennen der Klasse Supersport 300. Der einzige deutsche Starter Gabriel Noderer hatte mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun und landete nur auf Platz 26. Schnell setzte sich ein spanisches Trio mit Valle, Garcia und Ana Carasco ab. In der vorletzten Runde sind es 5 Fahrer die um den Sieg kämpfen. Denn Mika Perez und der Italiener Alfonso Coppola hatten zum Führungstrio aufgeschlossen. In der letzten Runde geht Ana Carasco in Führung und verteidigt diese bis in das Ziel. Somit gewinnt erstmals eine Frau ein Rennen im Rahmen der Superbike Weltmeisterschaft. Platz 2 geht an Coppola, der damit auch die Führung nach 7 Rennen festigt.

Garcia wird Dritter vor Valle, Perez und Sanchez. In den restlichen 2 Rennen kämpfen mit Coppola, Garcia, Deroue und Perez noch 4 Fahrer um den Titel. Es bleibt spannend, denn Coppola hat zum Zweiten Garcia nur einen Punkt Vorsprung. In der Klasse Superstock 1000 fehlte Marvin Fritz. Er startete in der Endurance Weltmeisterschaft beim gleichzeitig stattfindenden 24 Stunden Rennen Bol D“Or in Frankreich. Dieses Rennen bildet den Auftakt zur Endurance Weltmeisterschaft 2018. Doch mit Toni Finsterbusch, Julian Puffe und Marc Moser gab es 3 weitere deutsche Fahrer die in der Startaufstellung der Superstock 1000 standen.

In der ersten Runde führt noch der Australier Jones. Doch dann übernimmt der Türke Toprak Razgatlioglu auf seiner Kawasaki die Führung. Er kann eine Lücke auf die Verfolger auffahren und sein Tempo selbst bestimmen. Als in Runde 10 der Italiener Ruiu stürzt und das Rennen abgebrochen wird, hat der Türke über 2 Sekunden Vorsprung. Florian Marino wird Zweiter und hat viel Glück. Denn kurz nach der roten Flagge gibt seine Yamaha den Geist auf. Platz 3 geht an den Chilenen Maximilian Scheib. Toni Finsterbusch wird Zehnter direkt vor Julian Puffe. Marc Moser verpasst mit Platz 20 die Punkteränge klar.

In der Klasse Supersport war mit Max Enderlein auch ein deutscher Gaststarter im Fahrerfeld. Schon direkt nach dem Start kam es zum ersten Sturz durch den Australier Scarcella. Doch er sollte nicht der Letzte sein, der Bekanntschaft mit dem harten Asphalt von Portimao machte. Zunächst hielt sich der amtierende Weltmeister Kenan Sofuoglu, der auch die Bestzeit in der Qualifikation hingelegt hatte, noch zurück. Das Tempo an der Spitze bestimmten der Amerikaner Patrick Jacobsen und die beiden Franzosen Lucas Mahias und Jules Cluzel. Nach 5 Runden aber, hatte sich der Türke an die Spitzengruppe herangefahren.

In Runde 10 der 18 zu fahrenden Runden führte Sofuoglu das Fahrerfeld an. Doch er hatte Cluzel und Mahias am Hinterrad. Jacobsen hatte den Anschluss verloren. Max Enderlein kämpfte zu diesem Zeitpunkt um den letzten Punkt. Zu diesem letzten Punkt hatte er allerdings 6 Sekunden Rückstand. Doch in der vorletzten Runde machte auch der Deutsche Bekanntschaft mit dem Asphalt und musste das Rennen aufgeben. Vor ihm hatte schon Ryde, Calero, Epis, Watanabe, Hill, Zaccone, Smith und Tuuli das gleiche Schicksal ereilt. Am Ende sind es 18 von 28 gestarteten Fahrern die das Ziel erreichen. In den letzten 2 Runden fahren die beiden WM Favoriten Sofuoglu und Mahias den Sieg unter sich aus.

Jules Cluzel muss sich mit Platz 3 zufrieden geben. Nachdem er in den ersten Rennen der Saison gefehlt hat, übernimmt Sofuoglu nach seinem Sieg in Portimao jetzt auch die Führung im WM Gesamtklassement. Durch Platz 2 kann der bisher führende Mahias den Abstand aber auf nur 4 Punkte begrenzen. Bei noch 3 ausstehenden Rennen könnten sogar noch Morais und Cluzel in den Titelkampf eingreifen. Morais wird in Portimao Vierter vor Jacobsen, Gamarino und Caricasulo. Übrigens liegt Anthony West, der jetzt in die Klasse Superbike aufgerückt ist, trotz das er nicht alle Rennen gefahren hat, immer noch auf Platz 7 der Gesamtwertung der Klasse Supersport.

Am Vortag hatte er noch Zuversicht geäußert, doch am Sonntag fehlte Stefan Bradl in der Startaufstellung. Er hatte die Hand nach dem Sturz vom Vortag noch einmal röntgen lassen. Es war nichts gebrochen, aber dennoch verzichtete Bradl auf den Start. Übrigens will Valentino Rossi 2 Wochen nach seinem Schien- und Wadenbeinbruch in Aragon an den Start gehen. Ich persönlich kenne Luca Amato, der als 16jähriger einen Tag nachdem er sich die Schulter ausgekugelt hatte wieder ein Rennen in der IDM fuhr. Aus diesem Holz ist Bradl leider nicht geschnitzt. Wenn er weiter so Rennen auslässt, wird es schwer für ihn wieder in die MotoGP zurückzukehren.

Durch die geänderte Startaufstellung standen Camier, van der Mark und Torres in der ersten Startreihe. Der Sieger vom Vortag, Jonathan Rea, musste von Platz 9 aus Reihe 3 losfahren. Direkt nach dem Sturz stürzen Ramos und Russo. Zwei Runden später erwischt es auch de Rosa. An der Spitze ist es eine einzige Demonstration der Stärke des amtierenden Weltmeisters. Jonathan Rea hat sich innerhalb von 2 Runden von Platz 9 auf die Spitzenposition vorgearbeitet. Nach 5 Runden hat Rea schon wieder über 2 Sekunden Vorsprung auf die Verfolger Laverty und Davies. Übrigens fällt Alex Lowes nach seinem Sturz vom Samstag, auch am Sonntag durch einen Sturz aus.

Pech hatte Leon Camier, bei dem die Technik an der MVAgusta streikte. In Runde 18 der 20 zu fahrenden Runden fehlte plötzlich Chaz Davies, der eine Runde vorher noch ungefährdet auf Platz 2 lag. Er war mit seiner Ducati abgeschmiert und lag im Kiesbett. Somit kann Jonathan Rea mit gro0em Vorsprung sein Elftes Rennen in dieser Saison gewinnen und hat für mich damit seinen Titel verteidigt. Denn sein Vorsprung auf den Zweiten Tom Sykes, der außerdem noch verletzt ist, beträgt jetzt 120 Punkte. Michael van der Mark wird in Portimao Zweiter vor Melandri, Laverty und Torres. Anthony West wird hinter Savadori und Mercado Achter.

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Info.