Sonntag, 19.08.2018 13:03 Uhr

Folgen einer gut gemeinten Aktion

Verantwortlicher Autor: Riesenberg Berlin, 20.01.2018, 21:42 Uhr
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Laden oder Internet?
Laden oder Internet?  Bild: Riesenberg

Berlin [ENA] Nicht einmal fünf Jahre ist es her, da wurden fast täglich Schreckensbilder in allen Medien verbreitet. Diese sollten zeigen, dass unsere Umwelt und insbesondere die Weltmeere, durch Plastikabfall von Tag zu Tag mehr verseucht werden. Berge wahllos umhertreibender Kunststofftüten dienten als Beweis.

Nun wäre es ignorant zu behaupten, dass eine übermässige Belastung unserer Umwelt, insbesondere durch Verpackungsmüll unserer Wohlstandsgesellschaft, eine reine Behauptung der Umweltschützer seien. Dass ein ernstes Problem bei der Verschmutzung durch Plastikabfälle bereits seit vielen Jahren existiert, wird niemand ernsthaft leugnen wollen und können. Dazu gibt es zu viele eindrucksvolle Dokumentationen, die auf jeden Betrachter bedrohlich wirken. Selbst wenn man unterstellt, dass nicht nur "grüne" sondern auch einfach wirtschaftliche Interessen als Katalysator für den plötzlichen Interessenanstieg bezüglich der Beschränkung der Plastikverpackungen dienen, ist die enorme "Vermüllung" jedoch nicht zu übersehen.

Leider trägt ein geplanter Weg, ein gutes Ziel und nicht zuletzt eine konkrete Umsetzung nicht immer zum erfolgreichen Ergebnis bei. Manchmal bekommt man das Gefühl, dass die sprichwörtliche "deutsche Gründlichkeit" sich dabei selbst behindert. Damit es keine Probleme bei der Frage nach der politischen Korrektheit gibt, einige Beispiele aus der Praxis und persönlichen Erfahrungen sowie aus vielen Gesprächen mit ähnlich Betroffenen.

Um vorweg einige Kritikpunkte zu vermeiden, vermerkt der Autor, dass insgesamt etwa 100 Menschen, verteilt etwa jeweils auf die eine Hälfte weiblichen, die andere Hälfte männlichen Geschlechts befragt wurden. Um eine Diskussion über eine eventuelle Ausgrenzung anderer Gruppen zu vermeiden, wird nachfolgend der Begriff "Person" bzw. "Personen" verwendet, da hier bisher noch keine Benachteiligungskritik erfolgte und eine Unterscheidung der Antworten bei den weiblichen und männlichen Personen nur in einer Fragestellung signifikant nachweisbar war. Dies war die Frage, ob bei einem Einkauf ein entsprechendes Behältnis zum Warentransport mitgeführt würde (Autokofferraum ausgenommen).

Während fast alle weiblichen Personen irgend ein Behältnis mit sich führten, konnte dies keine einzige männliche Person sicher bestätigen. Interessant sind jedoch einige Informationen, die sich auch mit den Erfahrungen des Autors decken und leider nicht nur positive Emotionellen wecken. Einige Beispiele: in einer bekannten Chocolaterie kaufte der Autor mehr als 20 einzelne Schokoladenartikel und mehrere konfektionierte Verpackungen ein. Nach dem Bezahlen kam die Frage:"Möchten Sie eine Tüte?". Sicher sind zusätzliche 10 Cent bei einem höheren zweistelligen Eurobetrag keine wesentliche Belastung. Warum aber wird meine Ware nicht mehr ohne Aufpreis transportabel verpackt?

In einer bekannten Kaufhauskette werden Waren im hohen dreistelligen Eurobereich gekauft. Darunter eine Jacke, mehrere Hemden, Hosen und Unterwäsche. An der Kasse das gleiche Procedere: "Möchten Sie eine Tüte?" Meine Antwort, dass ich mir die neuen Artikel gern über den Arm und unter die Achseln klemme und damit durch das Warenhaus spazieren gehe, wurde nicht als humorvoll empfunden. Ich wurde belehrt, dass dies eine Anweisung sei, die der Vermeidung von Plastikmüll diene. Diese belehrende Äusserung der Verkäuferin ist im Grunde ja richtig. Aber zum einen stellt sie den Kunden als umweltfeindlichen Dümmling dar und ist andererseits sachlich falsch, weil ich ja nunmehr doch über ein Plastikbehältnis verfüge, allerdings für nunmehr 20 Cent.

Sollte jedoch dieses Verhalten des Einzelhandels eine Versuchsreihe sein, um den Kunden von Direktkäufen in offiziellen Einkaufseinrichtungen abzuhalten, wird diese Taktik aufgehen. In bekannten Elektronikfachmärkten wird selbst bei hochpreisigen Einkäufen die "Tütenfrage" gestellt. Der gleiche Elektronikfachmarkt bietet seinen Kunden aber an, die Artikel online, ab einem bestimmten Betrag kostenfrei zu liefern. Dass der dabei zweifelsohne mitgelieferte Verpackungsmüll kostenlos ist und eine geringe Vor-Ort-Verpackung bei weitem übersteigt, scheint uninteressant. Von vielen im Verkauf arbeitenden Personen wird beklagt, dass im Einzelhandel eine starke Reduktion spürbar ist. Die Umfrage wies auf den steigenden Internethandel hin.

Von A wie Amazon bis Z wie Zalando (um niemanden auszugrenzen) werben alle Online-Anbieter mit kurzen Lieferzeiten, günstigsten Preisen und sogar mit der Möglichkeit des reibungslosen Rücktausches. Es wurde niemals (bei allen getätigten Bestellungen) eine mangelhafte Verpackung kritisiert. Jedenfalls nicht vom Aufwand z.B. von Auspolsterung durch Schaumstoff oder Plastikfolie bis hin zum Vielfachen des Volumens z.B. für einen Artikel in der Größe einer Streichholzschachtel und der Umverpackung eines mittleren Schuhkartons. Vom Aufwand der Logistik und Versand soll gar nicht geredet werden. Mittlerweile werben große Unternehmen online neben ordentlichen Rabatten und kostenloser Expresslieferung zusätzlich mit Gratiskeksen.

Klingt vielleicht amüsant, ist es aber nicht, solange ich für die gleiche Ware im offenen Verkauf nicht mal eine vernünftige Verpackung kostenfrei erhalte. Vielleicht sollte man in den Warenhäusern oder Centern die Käufer in den allgemeinen Geschäftsbedingungen darüber aufklären, dass ein Verpackungsentgelt für das ordnungsgemäße, transportable Verpacken der Ware fällig wird. An Ideen, wie man so etwas umsetzt, ist sicher kein Mangel - bei den Strafgebühren für fehlende Parkscheiben bei Kunden von Supermärkten hat es doch auch funktioniert.

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