Sonntag, 17.12.2017 05:05 Uhr

Airbus-Transporter Beluga

Verantwortlicher Autor: Andi Schmidt München (D), 01.11.2017, 00:02 Uhr
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Airbus *Beluga* kurz vor dem Start in Manching
Airbus *Beluga* kurz vor dem Start in Manching  Bild: Andi Schmidt www.andi-schmidt-aviation.de

München (D) [ENA] Vom Design her wirkt dieses Frachtflugzeug sehr futuristisch. Dabei ist das Konzept schon über 20 Jahre alt. Den Erstflug absolvierte der außergewöhnliche Transporter von Airbus bereits im September 1994. Es wurden lediglich fünf Exemplare produziert.

Der aufgeblähte obere Rumpf der Maschine erinnerte den Hersteller an einen großen Wal in den Ozeanen der Welt. Den Beluga-Wal. So entstand der Beiname *Beluga* für diesen zivilen Flugzeugtyp von Airbus. Die interne Bezeichnung *A300-600ST* erörtert das Basismodell und die Technik der Baureihe *A300-600* und das *ST* steht für *Super Transporter*. Alleiniger Betreiber der fünf Maschinen ist *Airbus Transport International* als Tochter-Gesellschaft des Herstellers mit Firmensitz in Frankreich und Basis auf dem Flughafen Toulouse-Blagnac.

Start vom Flughafen Manching bei Ingolstadt (Nov.2014)
Kurz nach dem Abheben wird das Fahrwerk eingezogen
Mit zwei Rumpfsektionen zurück zur Endmontage nach Hamburg

*Beluga* ersetzt die *Super Guppy*

Die Baureihe *Beluga* wird überwiegend für den Transport von Rumpfsektionen und Tragflächen der aktuellen Airbus-Typen verwendet und ist ein Transporter der zweiten Generation seit 1996 in Ablöse des Vorgängermodells *Super Guppy*. Der *Guppy* war im Ursprung ein Umbau der *Boeing 377 Stratocruiser* eines amerikanischen Unternehmens aus den 60iger-Jahren mit der Aufgabe des Transportes von Raketenteilen für die *NASA*. Mit Ende des *Apollo-Programm* verwendete die *NASA* für künftige Missionen der *Space-Shuttle* und *Skylab* Entwicklungen einen umgerüsteten B747-Jumbo-Jet.

Im November 1971 wechselte die nun freien und mit mehr Leistung aus vier *Allison Propellerturbinen* ausgestatteten und nun mit der Bezeichnung *Super Guppy* fliegenden Transporter den Eigentümer. Für Airbus wurden über die Jahre hinweg gesamt vier dieser *SGT-201* Spezialtransporter eingesetzt. Durch die Größe der Rumpfteile für die Passagierflugzeuge der Typen *A330* und *A340* war die Eigenentwicklung des *Beluga* erforderlich und wurde entsprechend erfolgreich umgesetzt auf Basis der bewährten Baureihe *A300-600*. Durch den Antrieb mittels zweier leistungsstarker Jet-Triebwerken konnte der Aktionsradius erheblich erweitert werden.

Ausstellungsstück *Airport Days 2015* in Hamburg
Beladen wird von vorne über ein Schienen-u.Rollensystem
20 Min.*Delay*: Zügiges Rollen zur Startposition

Mehr Nutzraumvolumen als die vierstrahlige Antonov-124

Voll beladen ist eine Reichweite von etwa 1.700 Kilometern möglich. Dabei liegt die Nutzlast bei maximal 47 Tonnen in der Länge des Laderaumes von 37 Metern und einer Ladeflächenbreite von annähernd 5,50 Metern. Der Rumpfdurchmesser von 7,40m ergibt ein gesamtes Nutzraumvolumen von mehr als 1.400 m² und übertrifft somit sogar die Werte einer *C-5 Galaxy* oder *Antonov An-124*. Bei einer Fluggeschwindigkeit von etwa 750 km/h und halber Nutzlast vergrößert sich die Reichweite auf beachtliche 4.600 Kilometer.

Abweichend zu dem Konzept anderer Transportflugzeuge ist lediglich der Cockpitbereich der *Beluga* als Druckkabine ausgeführt. Der Laderaum ist also weder druckreguliert noch beheizt und daher während des Fluges auch nicht zugänglich. Für den Transport eines voll ausgestattetes und vorgefertigtes Tragflächenpaar der Größe *A340* oder einen großen Teil des Rumpfes eines *A319* ist dies ohnehin nicht erforderlich. Freie Kapazitäten der fünf *Beluga-Transporter* außerhalb der optimierten Betriebs- und Fertigungsabläufe der verschiedenen Airbus Produktionsstandorten können inklusive deren *Flightcrew* gemietet werden.

Militärflughafen Manching bei Ingolstadt mit ziviler Mitnutzung (Okt.2017)
Eindrehen auf die Südbahn: Bahnlänge 2.940 m x 60 m Breite, Ausrichtung 07/25
Wenige Sekunden im gebremsten Stillstand bei hochdrehender Turbinenleistung

Geplanter Einsatz bis 2025

Maschinen vom Typ *Beluga* waren somit schon im Auftrag der Bundeswehr zum Transport von *Tiger* und *NH-90* Hubschraubern ins Ausland unterwegs aber zuvor auch im Einsatz der *ESA* zum Verlagern des Weltraumlabors *Columbus*. Dabei wurde das Weltraumlabor vom Flughafen Bremen mit mehreren Tankstopps zum amerikanischen *Kennedy Space Center* transportiert und am 7.Februar 2008 mittels der US-Raumfähre *Atlantis* erfolgreich zur Raumstation *ISS* geleitet und angekoppelt. Mit diesen Einsätzen bewährte sich das Konzept *Beluga* international auch außerhalb des europäischen Kontinent.

Bis voraussichtlich 2025 sollen alle fünf Exemplare *A300-600ST/Beluga* durch eine größere Version auf Basis eines Airbus *A330-200* ersetzt werden. Dies wurde vom Hersteller am 17.November 2014 bekannt gegeben. Die stark genutzte Flotte der *Beluga-Transporter* erreicht mit bis dahin 30 Jahren Laufzeit das Ende ihrer Einsatzfähigkeit. Die neue *Beluga XL* wird speziell auf die zusätzlich benötigten Kapazitäten für die Serienproduktion des *Airbus A350 XWB (XtraWideBody)* angepasst. Das Projekt *Beluga*, gänzlich außerhalb der Schlagzeilen des Konzerns, bewährt sich seit Jahren still und gut. Eine wahrlich positive Bilanz, die aber leider nur wenig im Fokus der berichtenden Medien steht.

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