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Hahnweide 2016 – Motorenklang vom Feinsten

Verantwortlicher Autor: Andi Schmidt Kirchheim unter Teck (D), 20.09.2016, 12:47 Uhr
Presse-Ressort von: Andi Schmidt Bericht 7589x gelesen
Yakovlev Yak-3 präsentiert auf der Hahnweide 2016
Yakovlev Yak-3 präsentiert auf der Hahnweide 2016  Bild: Andi Schmidt www.andi-schmidt-aviation.de

Kirchheim unter Teck (D) [ENA] Mit einem Jahr Verzögerung wurde das große Fliegertreffen der Fliegergruppe Wolf Hirth e.V. vom 09.-11.09.2016 am Segelfluggelände *Hahnweide* abgehalten. Die Bewährungsprobe für das neu formierte Organisationsteam und den neuen Moderatoren. Unverändert geblieben ist der Charme der alten Flugzeuge.

Klemm 35-D
Klemm 35-D
North American OV-10B Bronco
Pitts S1-S Pilotin: Petra Unger
North American T-28B Pilot: Toni Eichhorn
Boeing PT-17 Stearman

Planmäßig wäre das Jahr 2015 für das Abhalten der traditionellen Veranstaltung angestanden, doch durch Unstimmigkeiten innerhalb des Vereins *Wolf Hirth e.V.* stand der bisherige Veranstaltungsleiter Hans Puskeiler nicht mehr zur Verfügung. Mit der zuletzt in 2013 laufenden Veranstaltung war die zukünftige Fortführung des Oldtimer-Treffen stark in Frage gestellt. Die Reaktionen des treuen Publikums bezüglich einem endgültigem Ende der sehr beliebten Veranstaltung waren heftig. Das Oldtimer-Treffen Hahnweide in Kirchheim unter Teck (Baden-Württemberg) darf nicht sterben war die deutliche Forderung des Publikums und Besucher.

Antonov AN-2 Piloten: Paul u. Sascha Hoffmann/Rundflüge
Antonov AN-2 Pilot: Helmut Kolditz/Rundflüge
Junkers JU-52/Rückflug nach Dübendorf (CH)
Antonov AN-2
Antonov AN-2
Beechcraft 50 Twin Bonanza

Mit viel Aufwand bleiben die Oldtimer flugfähig

Um sich neu zu Formieren und Aufzustellen verlangte der Verein ein Jahr Zwangspause. Und tatsächlich wurde unter positiven Zuspruch der großen Fangemeinde ein neuer Veranstaltungstermin für 2016 genannt. Großes Aufatmen auch für viele Piloten der betagten Flugmaschinen. Für viele ist das Oldtimer-Treffen auf der Hahnweide ein Pflichttermin. Ohne das Oldtimer-Treffen (Abkürzung=OTT) gäbe es nur noch ähnlich gestaltete Veranstaltungen in England. Die Piloten zeigen gerne ihre alten Flugzeuge. Ohne ein OTT würde so mancher Besitzer oder Verein seinen Flugzeug-Oldie nicht mehr flugtüchtig erhalten, da der Ehrgeiz und Sinn einer gewollten Präsentation verloren ginge.

Enorm viel Zeit und Geld wird in die Oldtimer investiert. Und persönlichen Wagemut. Das beste Beispiel hierfür ist der Schwede Mikael Carlson. Mit jedem Flug in seiner filigranen *Bleriot XI* Baujahr 1909 riskiert er viel. Eine Windbö und sein Flieger gebaut aus Eschenholz und Stoffbespannung wackelt bedrohlich. Sein persönlicher Ehrgeiz dieses *Flugmaschinchen* in die Luft zu bringen, ist sein Respekt in der Leistung und Wagemut der Piloten und Konstrukteure damaliger Zeit. Und dies kann er nur durch eine Flugvorführung verdeutlichen. Als Ausstellungsstück eines Museums wäre seine *Bleriot XI* ein stummer Zeitzeuge mit relativ wenig Charme.

Team Blanix/Österreich
Synchrone Flugmanöver - perfekte Präsentation
Am Folgetag fiel ein Teil der Pyro-Technik vom Flügelende
Mikael Carlson - Bleriot XI
Bleriot-Flug in der Abendstimmung
Steuerung durch Motor: an-aus-an...und Gewichtsverlagerung

Applaus für die Piloten

Und die besondere Stärke des *OTT Hahnweide* ist die Flugvorführung der betagten Flugzeuge. Das Drehen der Propeller und der Sound der Kolbenmotoren. Die Maschinen am Boden zu bestaunen hat schon was, aber erst das Starten der Motoren und die Flüge sorgen so richtig für Gänsehaut. Einen Eurofighter im Soloflug auf der *AirPower* zu erleben ist nicht schlecht, eine *Trojan T-28* als *Warbird des Zweiten Weltkrieges* steil in den blauen Himmel steigen zu sehen ist schon ziemlich der Wahnsinn. So sehen dies auch die etwa 50.000 Besucher der Veranstaltung mit viel Applaus für die Piloten nach erfolgter Landung und mehrminütigem Showflug zuvor.

An die 350 Gastflugzeuge zählte der Veranstalter. Zu sehen bei der Anreise, im Überflug und bei der Ausstellung am Boden. Mit drei JU-52 war die schweizerische *JU-Air* am Freitag vor Ort. Im Rahmen von Besucher-Flügen flogen zwei Maschinen taggleich wieder zurück nach Dübendorf Nähe Zürich. Zurück zur Hahnweide erfolgte der Transfer per Bus. Für weitere Rundflüge während der drei Veranstaltungstage verblieb die eine Maschine. Zusätzliche Kapazitäten an Rundflügen war durch zwei *Antonov AN-2* geflogen von Paul und Sascha Hoffmann und Helmut Kolditz geboten.

North American AT-6D Harvard III
Zlin 526F
Beech D35 Bonanza
Stinson: Nobles Ambiente-Wurzelholz u.Leder-Lenkrad statt Steuerhorn
De Havilland DH-83 Fox Moth
Cessna 195A

Satter Motorensound und absolute Stille

Die große Nachfrage für diese Flüge konnte durch eng kalkulierte Zeitfenster vorgegeben durch die Crew am Tower nicht vollständig abgearbeitet werden. So mancher gewillter Fluggast musste bereits gegen Mittag auf den Folgetag vertröstet werden. Deshalb empfiehlt sich für den künftigen Neubesucher der Veranstaltung entsprechend vorzuplanen. Dies gilt auch für eine zeitige Hotel- oder Zimmer-Reservierung zu sorgen. Als Tagesbesucher ist dies nicht von Belang, jedoch verpasst man durch den kurzen Aufenthalt die angenehme Stimmung am Abend. Im farbenfrohen Wechselspiel werden die *Warbird* an der sogenannten *Flightline* angeleuchtet.

Eines der Höhepunkte war die Segelflug-Präsentation des österreichischen Team Blanix. Geflogen wurden die beiden Segelflugzeuge von Kurt Tippl und Martin Strimitzer, die Koordination am Boden übernahm Ewald Roithner. Minutenlang und *Mucksmäuschenstill* verfolgten die Zuschauer den perfekten und lautlosen Kunstflug in der Samstagabend Dämmerung. Zu hören war nur die musikalische Untermalung über die Lautsprecheranlage auf dem Gelände. Durch den Einsatz einer Rauchanlage und Pyrotechnik an den Flügelenden kann das synchrone Flugmanöver beeindruckend verfolgt werden.

Curtiss Wright Travel Air D4000
Fokker Dr.1 Pilot: Mikael Carlson
Douglas A1 Skyraider
Supermarine Spitfire LF Mk.
Yakovlev Yak-3
Mustang P51 D

Unberechtigte Kritik und positives Fazit

Vielfach zu hören und bemängelt wird von Tagesbesuchern der Ticketpreis von 18,-- Euro. Diese Kritik ist nicht nachvollziehbar. Mit diesem Entgelt werden nur die tatsächlichen Kosten getragen. Viele Arbeitsstunden der rund 350 Frauen und Männern sind freiwillig und werden von den acht ansässigen Fliegervereinen intern getragen und werden nicht entlohnt. Für alle drei Tage der Veranstaltung sind auch nur 35,-- Euro fällig.

Fazit: Gnadenlose 30 Grad zerrten an der Kondition und Ausdauer der Besucher. Viel Sonne und meist wolkenloser Himmel. Freundliche Helfer und Mitarbeiter am Parkplatz, Verpflegungsständen und der *Flightline* für die Piloten. Perfekte Organisation und unfallfreier Ablauf der gesamten Veranstaltung. Abwechslungsreiches Flugprogramm an allen drei Tagen. Gute Moderation und verständliche Lautsprecher-Durchsagen. Das Oldtimer-Treffen lässt das Herz jedes Flugzeugfans höher schlagen – Neuer Besuch gerne wieder in zwei Jahren. Herzlichen Dank an die Organisatoren und der Pressestelle für die Unterstützung meiner Pressearbeit.

Dausault MD311 Flamant
Dassault MD311 Flamant
Dassault MD312 Flamant
Dausault MD312 Flamant
Dassault MD312 Flamant
Beechcraft 35 Bonanza
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