Mittwoch, 28.06.2017 05:40 Uhr

Jubiläum – 60 Jahre Luftwaffe

Verantwortlicher Autor: Andi Schmidt Neuburg a.d.Donau/München (D), 12.08.2016, 22:52 Uhr
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Tornado mit Titel -60 Jahre Luftwaffe- Neuburg a.d.Donau
Tornado mit Titel -60 Jahre Luftwaffe- Neuburg a.d.Donau  Bild: Andi Schmidt www.andi-schmidt-aviation.de

Neuburg a.d.Donau/München (D) [ENA] 1956, also vor 60 Jahren traten die ersten Freiwilligen ihren Dienst bei der Luftwaffe an. Im Jubiläumsjahr 2016 wird daran erinnert. 60 Jahre steht die Luftwaffe im Auftrag der Bundeswehr bereit. Sechs Jahrzehnte voller Veränderungen und Anpassungen.

Neben den Aufgaben und Maßnahmen der internationalen Krisenbewältigung zählen Friedensmissionen und humanitäre Hilfeleistungen unter dem Dach der Vereinten Nationen dazu. Bei eventuellen bewaffneten Konflikten unterstützt die Luftwaffe aktiv andere Teilstreitkräfte der Bundeswehr und/oder die Streitkräfte von verbündeten Staaten gemäß dem NATO-Auftrag. Im Vordergrund steht dabei der Schutz des Hoheitsgebietes der Bunderepublik und somit unmittelbar der Schutz der Bevölkerung und der lebenswichtigen Infrastruktur des Landes.

Eurofighter
Tornado

Der Auftrag

Ohne dem Schutz des Hoheitsgebietes der Bundesrepublik inklusive deren zivilen und militärischen Einrichtungen verfällt jegliche Gewährleistung bezüglich einer politischen Handlungsfreiheit im Krisenfall. Militärische Operationen von Heer und Marine könnten nur bedingt vollzogen werden. Nur mit einer leistungsstarken Luftwaffe können die Landesgrenzen im Krisenfall schnell und flächendeckend gesichert werden.

Bei einem unberechtigten Eindringen in den deutschen Luftraum schreibt der NATO-Alarm-Plan eine Reaktionszeit von maximal 15 Minuten vor. In diesem Zeitraum muss ein weiteres unberechtigtes Eindringen in den deutschen Luftraum verhindert werden. Zu diesem Zwecke steigen Abfangjäger empor und nehmen den Eindringling in Augenschein beziehungsweise in Sichtkontakt. Wer meint, ein unberechtigtes Eindringen in den deutschen Luftraum wäre reine Theorie und heutzutage unmöglich, der irrt.

NATO-Alarm-Plan

Mehrmals im Jahr findet eine Verletzung des Hoheitsgebietes durch unberechtigte Luftfahrzeuge statt. Meist durch Missverständnisse zwischen Luftfahrzeug-Crew und den Radarstationen am Boden. Fehlendes Transponder-Funk-Signal oder eine komplett fehlende Funkverbindung zum Luftfahrzeug löst entsprechende Alarme aus. Der Fluglotse sieht an seinem Radarbildschirm in dieser Situation nur ein nicht benanntes Objekt in entsprechender Bewegung und Flugrichtung. Über verschiedene Flugfunkfrequenzen wird die Luftfahrzeug-Crew aufgerufen.

Lässt sich der Sachverhalt am Radarbild nicht klären erfolgt die Alarmauslösung. Mit Jagdflugzeugen der Typen Tornado und Eurofighter ist der Eindringling rasch eingeholt. Sobald die Crew des Luftfahrzeuges einen Abfangjäger an seiner Flügelkante entdeckt, klärt sich die brisante Situation schnell auf. Unmissverständlich für Piloten sind die internationalen Handzeichen und Flugzeugbewegungen der Jagdmaschinen. Bei einer fortwährenden Missachtung der Aufforderung zum Verlassen der Flugroute besteht die Möglichkeit, diese Handlung als terroristische Bedrohung in Erwägung zu ziehen.

Das Luftsicherheitsgesetz

Eine weitere Vorgangsweise beschreibt das in 2005 geänderte Luftsicherheitsgesetz. Dabei ist ein Abschuss des Eindringlings als letzte mögliche Beseitigung der akuten Bedrohung legitim seitens der Rechtsprechung. Am 20. August 2011 löste ein Airbus A321 der Onur Air auf dem Weg von Manchester in die Türkei im bayerischen Luftraum einen Abfangjäger-Einsatz der Eurofighter-Alarmrotte des Jagdgeschwaders 74 und später einer österreichischen Alarmrotte aus. Vermutet wird eine fehlende Funkverbindung zur Flugsicherung in München zum Entstehen dieser sehr heiklen Szenerie. Die türkische Besatzung des Urlauberjets ignorierte über nahezu 30 Minuten sämtliche Signale der deutschen und österreichischen Abfangjäger.

Die Piloten-Crew erkannte keinerlei Fehlverhalten ihrerseits und war nur über die ungewöhnliche Funkstille erstaunt. Diese Ignoranz hätte tödlich enden können. Eine sehr brisante Situation mit doch letztendlich gutem Ausgang. Und ein Indiz für die gegenwärtige Sensibilität der Luftwaffe bezüglich der Luftraumsicherheit der Bundesrepublik und deren Bevölkerung bei entsprechender unüberschaubarer Gefahrenlage. 60 Jahre Luftwaffe im Dienste und Auftrag der Bundeswehr. Zur Sicherheit, Stabilität und Freiheit der Bundesrepublik Deutschland. Ein doch sehr hoher und schätzbarer Wert der Gegenwart. Negative Beispiele finden wir weltweit.

Tornado
Eurofighter
Transall

Ergänzende Information zum Luftsicherheitsgesetz in der Fassung vom 15. Januar 2005: Die in dieser Fassung erörterte legitime Handlung zur Abwehr einer akuten terroristischen Bedrohung wurde vom Bundesverfassungsgericht am 15. Februar 2006 als nichtig erklärt. Das Grundrecht auf Leben und die Menschenwürde werden in der Erstfassung ausgehebelt. Zudem ist der Einsatz der Bundeswehr/Luftwaffe im Inland nur unter bestimmten Bedingungen überhaupt rechtens.

Konkret bedeutet dies nun: Abdrängen eines entführten Flugzeuges in einer akuten Bedrohungsphase mit eventuellen Warnschüssen wäre legitim. Ein finaler Abschuss ist generell gesetzeswidrig. Bei einem Kleinflugzeug pilotiert durch Terroristen gilt eine Sonderregelung. In diesem Falle wären keine unschuldige Passagiere in ihren Grundrechten betroffen. Das Thema ist seitens der Rechtssprechung sehr sensibel. Bezüglich einer korrekten und wahrheitsgetreuen Interpretation und deren Verbreitung ist ein Abgleich mit dem aktuell gültigen Gesetzestextes zwingend erforderlich. -Ergänzung zum vorliegenden Pressebericht: Oktober 2016-

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