Donnerstag, 04.03.2021 23:37 Uhr

Neuzugang im Hangar-7

Verantwortlicher Autor: Andi Schmidt München (D), 23.01.2021, 22:57 Uhr
Presse-Ressort von: Andi Schmidt Bericht 4773x gelesen
Walter Eichhorn mit T-6 in Friedrichshafen, 2013
Walter Eichhorn mit T-6 in Friedrichshafen, 2013  Bild: Andi Schmidt www.andi-schmidt-aviation.de

München (D) [ENA] Das vergangene Jahr 2020 war für die Luftfahrtszene ein Jahr des Stillstands. Covid-19 bedingt konnten keine Luftfahrtshows und ähnliche Veranstaltungen stattfinden. Und in diese trostlose Zeit fiel nun auch die Entscheidung von Walter Eichhorn, sich von seiner T-6 nach 44 Jahren zu trennen.

Für Walter Eichhorn (84) war dies bestimmt kein leichter, aber doch nun endgültiger Schritt. Voller Freude und Energie zeigte er noch sein fliegerisches Können zur Hahnweide 2019 mit seinem altgedienten *Arbeitstier* der T-6. Zu diesem Zeitpunkt war Walter jedoch schon mit einem sogenannten *Sicherheitspiloten* unterwegs. Das heißt, der Cockpitplatz hinter ihm war durch einen zweiten Piloten besetzt. Bei Auftreten von Problemen jederart, hätte dieser zusätzliche Pilot sofort die weitere Flugsteuerung übernommen.

Mit über 80 Jahren noch topfit

Die körperlichen Belastungen sind bei den gezeigten Flugmanövern extrem. Eng geflogene Kurven belasten den menschlichen Körper kurzfristig mit mehreren *G´s*, also dem Mehrfachen seines Eigengewichtes. Und dazu ist eine Portion an Muskelkraft zum Bedienen von Rudern und Klappen nötig, da diese Steuerungselemente rein mechanisch mittels Seilzüge verstellt werden. Aus medizinischer Sicht ist das Führen von Luftfahrzeugen für Walter kein Problem; die vom Fliegerarzt attestierte Tauglichkeit ist aktuell und gültig.

Die bei Anmeldung von Flugschau-Einlagen obligatorische Prüfung der Teilnehmer bezüglich der vorgelegten Lizenzen und Atteste löste zur Person Walter Eichhorn mit Jahrgang 1936 zumeist Bewunderung aus. Bescheinigt durch zahlreiche Urkunden und Trophäen, zudem der Mitgliedschaft im Kreise von 103 *Living Legends of Aviation* weltweit und dem *Bob Hoover Freedom of Flight*-Award. Jedoch auch Bedenken bezüglich seines fortgeschrittenen Alters im Einklang der hohen Sicherheitsauflagen in der Durchführung von öffentlichen Flugschau-Einlagen diverser Veranstaltungen. So die Besetzung der T-6 mit einem zusätzlichen Sicherheitspiloten während des Oldtimer-Treffen Hahnweide 2019.

Neues Zuhause im Hangar-7 in Salzburg

Der Zeitpunkt sich von seiner Maschine zu trennen, war von Walter nun gut gewählt. Dabei gibt es immer mehrere Optionen. Die Weitergabe der T-6 an eine Person, Verein oder Firma mit der Zielsetzung in der Aufrechterhaltung der Flugtüchtigkeit der Maschine. Die Abgabe der T-6 an ein Luftfahrtmuseum mit dem Ziel der öffentlichen Ausstellung der Maschine als ein Stück Luftfahrtgeschichte. Oder der Zuführung der T-6 als Ersatzteillager und sonstiger Verwertung aber der endgültigen Zerstörung der Lufttüchtigkeit dieses prachtvollen Oldtimerflugzeuges.

Auf der Webseite der *Flying Bulls* steht nun geschrieben: *Ein neues Zuhause - Nach 44 Jahren übergibt Walter Eichhorn seine geliebte T-6 an die Flying Bulls. Wer in den vergangenen Jahrzehnten auf Flugtagen in Deutschland unterwegs war, der kennt Walter Eichhorn und seine blaue T-6. Zusammen mit seinem Sohn Toni flog er zeitweise mit zwei T-6 ein Kunstflugprogramm in ganz Europa. Toni verkaufte seine T-6 schon vor einigen Jahren und nun ist auch für Walter die Zeit gekommen, sich von seinem Liebling zu trennen und ein neues Zuhause zu suchen. Da bot sich der Hangar der Flying Bulls in Salzburg natürlich an.*

*Bei der D-FHGK handelt es sich übrigens um eine 1942 bei Noorduyn gebaute Harvard Mk IIB, die im gleichen Jahr an die Royal Canadian Air Force ausgeliefert wurde. Fünf Jahre später kam sie in die Schweiz und flog bis 1969 bei der Schweizer Luftwaffe. Danach wurde sie nach England verkauft und kam 1971 nach Deutschland. Walter Eichhorn flog sie seit 1976. Wir freuen uns über den Zuwachs in der Flying Bulls Flotte und dass wir sie zukünftig bei Airshows einsetzen dürfen.* Schöner kann man den Umstand der Weitergabe der T-6 nach Salzburg in den Hangar-7 nicht beschreiben. Eine Entscheidung der Vernunft in der Gegenwart aber auch eine positive Aussicht für die Zukunft. Für wieder kommende Zeiten mit Oldtimerflugzeugen am Himmel.

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