Donnerstag, 19.10.2017 16:20 Uhr

Historische Rede Macrons zu Erinnerung an den Holocaust

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay Paris, 18.07.2017, 13:36 Uhr
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Paris [ENA] In einer sowohl in Frankreich wie in Israel viel beachteten Rede bekannte sich der französische Staatspräsident Emanuel Macron, in Anwesenheit des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, zur französischen Schuld an der Deportation und Ermordung von 13000 Juden aus Paris im Jahr 1942. Mit deutlichen Worten sprach sich der Präsident dabei auch gegen den zeitgenössischen Antisemitismus in Frankreich aus.

Am vergangenen Sonntag versammelten sich in Paris über Tausend hauptsächlich jüdische Bürger am Mahnmal an die in der Nacht vom 16. auf den 17. Juli 1942 erfolgten Zusammenfassung von 13'152 Juden im Velodrome d'Hiver, die anschliessend in Konzentrationslager vershcickt wurden, von wo weniger als 100 von ihnen zurückgekehrt sind. In seiner 35-minütigen Rede bekannte sich der französische Staatspräsident - deutlicher als alle seine Vorgänger - zur französischen Schuld an dieser Gräueltat: "Kein einziger Deutscher war an dieser Razzia beteiligt gewesen", welche "von Franzosen organisiert" worden war. Damit widersprach Macron insbesondere Äusserungen von Marine Le Pen im Wahlkampf im Frühjahr, die eine solche Beteiligung bestritten hatte.

Ebenso deutlich sprach sich Macron gegen die Manifestation neuer Formen von Antisemitismus aus. "Wir werden niemals vor den Hassbotschaften kapitulieren, uns niemals von Antizionismus einnehmen lassen, der nichts als eine neue Erscheinungsform des Antisemitismus ist", erklärte der Präsident, und erntete grossen Beifall von den Anwesenden, darunter auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Deutlicher als seine Vorgänger sprach er sich damit gegen die, auch im heutigen Frankreich vorhandenen, antijüdischen Tendenzen aus. Dies war um so bemerkenswerter, als dass die Einladung an Israels Regierungschef zu den Feierlichkeiten nicht vom Elysée-Palast ergangen war.

Auch für deutsche Ohren dürfte die Anmerkung Macrons unangenehm deutlich gewesen sein, als er erklärte: "Es war doch so bequem, in Vichy eine monströse Ausgeburt zu sehen, welche aus dem Nichts gekommen war - aber das ist falsch .... ich widerspreche den 'feinen Unterscheidungen' jener, die uns glauben machen wollen, Vichy wäre nicht identisch mit Frankreich gewesen". Und an all diejenigen gerichtet, die meinten, mit einer Antwort gäbe man diesen Thesen zu viel Gewicht und Legitimation, erwiderte er: "Aber Schweigen wäre noch viel schlimmer, es bedeutete Komplizenschaft". Wie wahr!

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