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"In Basel habe ich den Judenstaat gegründet"

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay Basel, 30.08.2017, 13:11 Uhr
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Basel [ENA] "... in Basel habe ich den Judenstaat gegründet. Wenn ich das heute laut sagte, würde mir ein universelles Gelächter antworten. Vielleicht in fünf Jahren, jedenfalls in fünfzig wird es Jeder einsehen.“ Der Tagebucheintrag war zugleich prophetisch wie naiv: als der in Wien lebende Budapester Theodor Herzl diese Sätze schrieb, existierte Stefan Zweigs Welt von gestern noch, die Zeichen der Zeit dennoch unübersehbar.

Wenngleich es noch einmal ein halbes Jahrhundert dauern sollte, bis zur Gründung des modernen Staates Israel, und wenngleich bis dahin der wohl grösste zivilisatorische Bruch der Menschheitsgeschichte das jüdische Volk zu vernichten drohte. Der erste Zionistenkongress 1897 im Basler Nobelhotel "Au Trois Rois", am Rheinufer gelegen, bildete den logischen Höhepunkt der Emanzipation europäischer Juden. Der politische Zionismus entstand aber gerade, weil die Errungenschaften des 19. Jahrhunderts dennoch die Geissel des Judenhasses nicht zu beseitigen vermochten: der Journalist Herzl erlebte in Paris die "Affaire Dreyfus" hautnah, und seine ungarische Heimat war auch nahe genug, dass ihn die Nachrichten von Pogromen aus Russland erreichten.

Herzls Thesen, seine politische Vision, waren nicht unumstritten. Es gehörte durchaus Mut dazu zu bekennen, dass trotz aller Assimilation das jüdische Volk nur an seinen geographischen Ursprüngen wirklich frei sein würde. Dass Juden überhaupt ein Volk sind, wird bis heute, und nicht ausschliesslich von Antisemiten, in Frage gestellt. Die Existenz einer jüdischen Nation, gleichzusetzen mit den Nationen der Amerikaner, Engländer, Franzosen oder Deutschen - das war auch in seiner Zeit eine revolutionäre These. Sie beherrschte den Diskurs am ersten, aber auch an den nachfolgenden Zionistenkongressen, sie entzweite noch Jahrzehnte die wichtigsten Exponenten der Bewegung. Und diese Diskussion ist bis heute nicht abgeschlossen.

Dennoch, oder auch gerade deswegen: Herzl gebührt Anerkennung und Ehre dafür, mit seinem Wirken jüdischen Menschen eine Konkretisierung ihrer Träume angeboten zu haben. Zum ersten Mal bekamen die Bekenntnisse an den Hohen Feiertagen - "Nächstes Jahr in Jerusalem" -eine ideelle und auch eine politische Konkretisierung. Herzl führte seine Glaubensgenossen in eine neue Realität, in der die Losung "Wenn man es nur will, ist es kein Traum", aus seinem letzten Buch "Altneuland", Gestalt annahm. Jüdische Menschen von Russland bis Amerika wanderten in mehreren Wellen nach Palästina aus - bis in die 1960er Jahre waren Palästinenser Juden - und hielten durch, bis sie den kargen Boden in blühende Landschaft verwandelt hatten. Theodor Herzl sei Dank.

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