Dienstag, 20.02.2018 12:37 Uhr

Kein Sex ohne “Kiss"

Verantwortlicher Autor: Karl J. Pfaff Saarbrücken, 29.01.2018, 15:22 Uhr
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Saarbrücken [ENA] Forschern war bereits länger bekannt, dass in der Pubertät und im Menstruationszyklus der Frau das Kisspeptin, ein Signalmolekül im Gehirn, eine Schlüsselrolle spielt. Eine neue Studie durch Prof. Julie Bakker und Ulrich Boehm von der Universität des Saarlandes zeigt jetzt, dass dieses Molekül auch die Anziehung zum anderen Geschlecht und die sexuelle Motivation durch zwei parallele Gehirn-Schaltkreise steuert.

Bei weiblichen Mäusen konnten die Forscher beobachten, dass das Kisspeptin sowohl die Anziehung zum anderen Geschlecht als auch das sexuelle Verlangen steuert. Sie entdeckten auch, dass bestimmte Duftstoffe, die von der männlichen Maus ausgesendet werden, speziell die Nervenzellen stimulieren, die das Kisspeptin produzieren. Hierdurch wird ein Schaltkreis im Gehirn aktiviert, der ein Neurohormon freisetzt und damit die Aufmerksamkeit des Weibchens für das Männchen erhöht. In einem parallelen Schaltkreis wird das Kisspeptin-Signal auch an Zellen übertragen, die den Neurotransmitter Stickstoffmonoxid produzieren, um die sexuelle Bereitschaft zu stimulieren.

„Diese Forschungsarbeit hat uns neue Erkenntnisse darüber geliefert, wie das Gehirn Signale aus der Außenwelt entschlüsselt und diese Umwelteinflüsse dann in Verhalten umsetzt. Bei vielen Tieren ist das Sexualverhalten eng mit dem Eisprung verbunden, um die höchstmögliche Chance auf Befruchtung und somit das Fortbestehen der Art zu gewährleisten. Bis jetzt war wenig darüber bekannt, wie das Gehirn Eisprung, Anziehung und Sex miteinander verbindet. Jetzt wissen wir, dass ein einzelnes Molekül – Kisspeptin - all diese Aspekte durch verschiedene, parallel zueinander laufende Gehirn-Schaltkreise steuert ", sagt Ulrich Boehm, Professor für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Universität des Saarlandes.

Von einem einzigen Molekül, dem Kisspeptin, werden also Pubertät, Fruchtbarkeit, Anziehung zum Anderen und sexuelle Motivation kontrolliert. Diese Erkenntnis eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Patienten mit psychosexuellen Störungen wie z. B. der verminderten sexuellen Appetenz. "Es gibt derzeit keine guten Behandlungen für Frauen mit geringem sexuellem Verlangen. Die Entdeckung, dass Kisspeptin sowohl die Anziehung als auch das sexuelle Verlangen kontrolliert, hilft, neue Therapien für solche Störungen zu entwickeln ", erklärte Prof. Julie Bakker von der Uni Lüttich. Das Kisspeptin hat eher durch Zufall das englische Wort für Kuss im Namen. Ursprünglich wurde es nach Schoko-Pralinen, den Hershey´s Kisses benannt. (P.S.)

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