Donnerstag, 19.10.2017 16:32 Uhr

Was nützen noch Verträge im Profifußball?

Verantwortlicher Autor: Edgar Hungs EUPEN (Belgien), 22.07.2017, 09:17 Uhr
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EUPEN (Belgien) [ENA] Transferzeit im Fußball: Ein neues Phänomen macht sich bemerkbar. Was bei den Kickern schon lange üblich ist, findet nun verstärkt auch bei den Trainern statt: das Freikaufen aus den Verträgen. Jüngstes Beispiel bietet die KAS Eupen (Belgien) bei den Fußballspielern: Henry Onyekuru. Er hatte noch einen laufenden Vertrag bis 2019 und doch wechselte er in diesem Sommer für 8 Mill. Euro auf die Insel zum FC Everton.

Im direkten Gegenzug wurde er an Anderlecht ausgeliehen. Auch bei den Trainern ist diese Vorgehensweise keine Seltenheit mehr. Da stellt sich die Frage: Was nützen noch Verträge mit Fußballprofibereich? Vertragsauflösung, Beurlaubung, klubinterne Spannungen Ausstiegsklauseln und Ablösesummen werden in den Vereinbarungen mit den Trainern eingebaut. Oftmals laufen die Kontakte nur noch über einen Berater.

Möchte ein Trainer trotz laufendem Vertrag wechseln, wird eine Ablöse fällig. Borussia Dortmund überwies rund 3 Mill. Euro für den neuen Trainer Peter Bosz nach Amsterdam. Der deutsch-italienische Coach Domenico Tedesco wurde durch Schalke 04 aus seinem erst kürzlich abgeschlossenem Vertrag bei Erzgebirge Aue für die neue Spielzeit herausgekauft. Eine sechsstellige Summe steht im Raum. Vertragsauflösung, klubinterne Spannungen oder Beurlaubung. Es hört sich oft so einfach an und doch steckt dahinter viel Geld. Hoffenheims Sponsor Dietmar Hopp schob den Transfergerüchten um seinen Coach vorsichtshalber mal einen Riegel vor und legte für Julian Nagelsmann eine Ablösesumme von 400 Mill. Euro fest. Erfolg kostet einfach mehr. Nagelsmann bleibt.

Das altbekannte Trainerkarussell hat ausgedient. Das altbekannte Trainerkarussell dreht nicht mehr. Oftmals spielen Ambitionen und Geld eine vielgrößere Rolle. Die Arbeitgeber werden ungeduldiger, wenn der erhoffte Erfolg sich nicht einstellt. Da lässt der Mann an der Seitenlinie sich schon gerne mal loskaufen. Für die entlassenen Kollegen droht dann ein Stillstand. Nicht automatisch folgt eine neue Anstellung. Die Trainer sind jünger geworden. Ihr Job geht über das eigentliche Training hinaus. Sie sind Manager, Psychologe, Supervisor, Motivator und Pädagoge. Was ursprünglich als Übungsleiter angedacht war, sprengt mittlerweile den Rahmen: der Supercoach ist gefragt.

Und Erfolge füllen dann die Vereinskasse: Gelder aus Fernsehübertragungen, Vermarktung und Werbungen, Prämien in den Europaligen. Doch, was nützen noch Verträge, wenn diese einen vorzeitigen Ausstieg für Trainer und Spieler beinhalten? Das moderne Fußballmanagement muss sich darauf einstellen. Es ist offener und flexibler geworden, zeitlich unsicherer, unvorhersehbarer. Das Karussell ist moderner und schneller geworden. Die Ablösesummen werden in den Verträgen bereits festgeschrieben. Vor allem drückt die 2. Transferperiode im Winter die Planungssicherheit der Vereinsmanager für die laufende Saison.

Wer im Sommer noch gekommen ist, kann im Januar des darauffolgenden Jahres vielleicht schon wieder abwandern. Des einen Freud ist des anderen Leid. Dem Lockruf des Geldes folgen Spieler und Trainer. Ob das für sie persönlich auch ein Erfolg auf dem Spielfeld wird, bleibt abzuwarten.

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