Sonntag, 17.12.2017 05:14 Uhr

Was nun deutsche Automobilindustrie? Eröffnungsfeier

Verantwortlicher Autor: Ekkehard Boldt Frankfurt Main, 15.09.2017, 17:41 Uhr
Fachartikel: +++ Wirtschaft und Finanzen +++ Bericht 5650x gelesen
Matthias Wissmann, VDA-Präsident
Matthias Wissmann, VDA-Präsident  Bild: Ekkehard Boldt

Frankfurt Main [ENA] Wie geht es weiter mit der deutschen Automobilindustrie? Die 67. IAA Pkw wurde gestern gestartet. 228 Weltpremieren erwarten die Fachbesucher, für die die Messe ab Donnerstag, 14. September 2017, ihre Tore öffnet. Nach den Fachbesuchertagen am Donnerstag und Freitag beginnen am Samstag,...

...16. September 2017, die Publikumstage. Die Ausstellungsfläche umfasst knapp 200.000 Quadratmeter. Rund 1.000 Aussteller präsentieren in den Messehallen und im Freigelände ihre Neuheiten. Das Motto der 67. IAA Pkw lautet „Zukunft erleben“. Die IAA zeigt die ganze Innovations-Bandbreite zur Mobilität, von der Digitalisierung über die Elektromobilität bis hin zu neuen Mobilitätskonzepten. Ein besonderes Highlight ist die „New Mobility World“ mit dem Parcours auf dem zentralen Freigelände, der „Agora“.

Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel, Ministerpräsident von Hessen Volker Bouffier, Oberbürgermeister von Frankfurt Peter Feldmann, Facebook-COO Sheryl Sandberg und den EU-Verkehrsministern nahmen weitere hochrangige Gäste an der Eröffnungsfeier teil. Im Anschluss erfolgte der obligatorische Presserundgang mit Besuch ausgewählter Messestände. Antworten versuchte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), bei seiner Eröffnungsrede zu geben.

Hier Auszüge aus seiner Rede, gewandt an die Kanzlerin: "Wir haben es Ihnen, sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, in den vergangenen Wochen und Monaten nicht immer leicht gemacht. Diese Monate sind stark geprägt von Kritik und Misstrauen gegenüber unserer Branche. Deshalb möchte ich Ihre Anwesenheit nutzen, um nochmals eines klarzustellen: In einzelnen Unternehmen unserer Branche – im Inland und im Ausland – sind gravierende Fehler passiert. Fehler, die nicht hätten passieren dürfen. Fehler, die dem Selbstverständnis unserer Industrie widersprechen. Fehler, die wir erkannt haben und denen wir mit aller Konsequenz nachgehen. Wir sind uns bewusst, dass Vertrauen verloren gegangen ist. Dies zurückzugewinnen, ist unser zentrales Anliegen.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, für alle, die in der Industrie Verantwortung tragen, kann ich sagen, dass wir nicht nur technische Fragen optimal lösen wollen. Integrität auf allen Ebenen hat für uns den gleichen Stellenwert. Seien Sie versichert, dass die Verantwortlichen in unseren Unternehmen viele selbstkritische Fragen stellen. Die große Mehrheit – kleine und große Unternehmen – ist sensibilisiert dafür, ihr hohes Integritätsniveau zu halten. Andere arbeiten konsequent an der Aufarbeitung von Fehlern und ziehen die notwendigen Schlüsse.

Pauschale Urteile über die Automobilindustrie sind nicht gerechtfertigt. Die Fakten verlangen nach Differenzierung – nicht zuletzt im Interesse von über 815.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern bei unseren Herstellern und Zulieferern, die jeden Tag harte und ehrliche Arbeit leisten. Selbstverständlich ist es auch unsere Aufgabe, die urbane Luftqualität weiter zu verbessern. So haben die deutschen Pkw-Hersteller zugesagt, über 5 Millionen Diesel-Pkw in Deutschland nachzurüsten. Das Ziel ist, die Stickoxidemissionen dieser Fahrzeuge im Durchschnitt um 25 bis 30 Prozent zu reduzieren.

Der moderne Diesel gehört zu einem zukunftsfähigen und nachhaltigen Antriebsmix dazu. Die neueste Technologie zeigt, dass die Schadstoff-Grenzwerte – sowohl auf dem Prüfstand als auch auf der Straße – eingehalten werden. Zudem verbraucht der Diesel bis zu 25 Prozent weniger Kraftstoff und hat wesentlich bessere CO2-Werte als ein vergleichbarer Benziner. Gerade im Fernverkehr ist der Diesel auch längerfristig nicht ersetzbar. Die Luft in den deutschen Städten ist heute sauberer denn je und weit besser als in vielen Ländern der Welt. Die Emissionen des Straßenverkehrs sind bei uns derzeit 70 Prozent niedriger als zu Beginn der 1990er Jahre – obwohl das Verkehrsaufkommen zugleich erheblich gestiegen ist. Das ist ein großer Erfolg.

Wissmann begrüßt Kanzlerin Merkel Bild:Ekkehard Boldt
Grußwort Volker Bouffier Ministerpräsident Hessen Bild: Ekkehard Boldt
Rede Bundeskanzlerin Angelika Merkel Bild: Ekkehard Boldt

( zu den NO2-Grenzwerten) Hier aber wirft ein Vergleich Fragen auf: Während auf der Straße nur 40 Mikrogramm erlaubt sind, gilt für Büroräume ein Richtwert von 60 Mikrogramm. Und für Gewerbe und Industrie gilt sogar ein Arbeitsplatzgrenzwert von 950 Mikrogramm. Kann man eigentlich von einem sinnvollen Regulierungskonzept sprechen, wenn das Immissionsniveau in Innenräumen zum Teil viel höher ist und gesetzlich sogar viel höher sein darf? Rechtfertigt dieser Sachverhalt tatsächlich, mit Fahrverboten in Eigentum und Mobilität einzugreifen? Unter dem Strich heißt das: Die Potenziale der Verbrennungsmotoren sind weiterhin enorm. Wer sie ungenutzt lassen will, der stellt Ideologie über umwelt- und klimapolitische Belange!

Klar ist: Ob groß oder klein, ob Hersteller oder Zulieferer – jedes einzelne Unternehmen dieser Industrie hat den Anspruch, den enormen Wandel mitzugestalten. Deshalb gibt es aktuell kein Geschäftsmodell, das nicht hinterfragt wird. Niemand verharrt im Status quo. Keiner will abgehängt werden. Deshalb laufen in den Betrieben bereits gewaltige Umbruchprozesse. Rund 40 Milliarden Euro wird allein die deutsche Automobilindustrie bis 2020 für die Elektromobilität aufwenden. Im gleichen Zeitraum werden die deutschen Automobilhersteller ihr Modellangebot an E-Autos mehr als verdreifachen – von derzeit 30 Modellen auf knapp 100.

Messe Rundgang Bild: Ekkehard Boldt
Messe Rundgang Bild: Ekkehard Boldt
Messe Rundgang Bild: Ekkehard Boldt

Auch die Brennstoffzelle hat große Sprünge gemacht, sie ist ebenfalls ein Baustein für die Mobilität von morgen. Kurzum: Wir haben noch jede Menge Arbeit vor uns. Keine Emissionen: Das ist unser visionäres Ziel für die mobile Zukunft. Unfallfreiheit ist ein weiteres. Der Weg dorthin führt über die Digitalisierung. Ihre Chancen und Potenziale vollständig zu nutzen – das erfordert neue Kooperationen über Branchengrenzen hinweg. Wir können viel voneinander lernen.

Sie sehen die bunte Themenvielfalt, die unsere Unternehmen vorantreiben. Für die Automobilindustrie kommt diese IAA genau zum richtigen Zeitpunkt. Sie bietet eine besonders gute Gelegenheit, auf die Öffentlichkeit sowie auf ihre Kunden zuzugehen. Mit unserer Leistungsfähigkeit wollen wir neues Vertrauen in die Branche aufbauen. Die IAA 2017 ist ein Gesprächsangebot in maximal unübersichtlichen Zeiten. Eine gemeinsame und mutige Wette auf die Zukunft."

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