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Abschied Dieter Verbarg

Verantwortlicher Autor: Andi Schmidt München (D), 31.12.2023, 19:07 Uhr
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Dieter Verbarg, AERO 2019, Friedrichshafen
Dieter Verbarg, AERO 2019, Friedrichshafen  Bild: Andi Schmidt www.andi-schmidt-aviation.de

München (D) [ENA] Ein großer Akteur hat dieses Jahr die Air Show- und Flugplatzfest-Bühne verlassen. Dieter Verbarg. Viele Jahre war er im deutschsprachigen Raum mit seinem Oldtimer Helikopter vom Typ Bell-47 bei Veranstaltungen anzutreffen. Mit fliegerischen Show-Einlagen aber auch meist mit Rundflügen für Gäste.

Innerhalb von nur zwei Jahren wurde aus dem aktiven Piloten ein Pflegefall. Am 16.04.2023 verstarb Dieter Verbarg im Alter von 78 Jahren. Er hinterlässt Ehefrau und einen Sohn. Und eine große Fangemeinschaft, die er mit seinen Rundflügen an zahlreichen Veranstaltungsorten begeisterte. Aber auch einige Kritiker, die seine Flugleidenschaft nicht so gerne sahen. An seinem Wohnort im oberbayerischen Zorneding gab es solche Stimmen. So schrieb der Münchner Merkur im November 2010 in seiner Ausgabe für Ebersberg, dass Anwohner Angst vor einem Heliport hätten.

Wanderzirkus: Helikopter auf Anhängergespann

*Den ganzen Tag donnert er in nur zwanzig Metern Höhe über unsere Köpfe hinweg* waren die Aussagen einiger Anwohner, die sogar in einem Hallenneubau an einer Wiese am Ortsrand einen zukünftigen Hangar für Hubschrauber vermuteten. Konkret hatte Dieter Verbarg zu damaliger Zeit eine Genehmigung des Luftfahrtamtes Süd für Außenlandungen an ein, zwei Tagen im Jahr, um zu bestimmten festgelegten Uhrzeiten Fluggäste zu transportieren. Da wurde die *Mücke zum Elefanten* im sonst doch so toleranten bayerischen Lande.

Dabei kannten natürlich viele Zornedinger Dieter mit seinem Helikopter. Wenn die *Bell 47* auf einem Anhänger montiert mit einem *Pick-Up-Fahrzeug* durch die Straßen fuhr. Dann war das außergewöhnliche Gespann unterwegs zu einer Veranstaltung im deutschsprachigen Raum. Um den *Oldie-Helikopter* Baujahr 1967 vor übermäßigen Betriebsstunden zu schützen, war die Anreise per Anhängergespann wesentlich kostengünstiger und effizienter. Vor Ort der Veranstaltung wurde dann geflogen. Humorvoll bezeichnete Dieter dieses Prozedere immer als *unterwegs sein mit seinem Wanderzirkus*.

Die Fliegerei war sein Leben

Freundlich, humorvoll und stets gutgelaunt, traf man Dieter überall an. Zur ILA 2014 in Berlin, zu den Do-Days in Friedrichshafen, zu Flugplatzfesten in Albstadt/Degerfeld und Antersberg, aber natürlich auch als fester Bestandteil der Aussteller auf der jährlichen AERO-Luftfahrtmesse in Friedrichshafen am Bodensee. Mit Sigi *Blacky* Schwarz von den *Flying Bulls* gestaltete er gemeinsam eine Flugshow-Einlage, die an den Kinofilm *M.A.S.H.* erinnerte; 2015 war dies am Wolfgangsee in Österreich anlässlich der *Scalaria Air Challenge*. Seine Begeisterung für das Fliegen war unendlich, ja man kann sagen: *Die Fliegerei war sein Leben*.

In Sylt aufgewachsen, absolvierte er bereits mit vierzehn Jahren Segelflüge über die dortigen Sylter Dünen. Als 19-Jähriger saß er als *Solo-Pilot* im Hubschrauber. Nach dem Abitur ging er zur Bundeswehr. Flog dort das damalige Muster *Bell 204* besser bekannt als *UH-1D Huey*. Doch die Heeresflieger waren nicht seine endgültige Bestimmung. Er wollte auch Jets der Bundeswehr fliegen. Entsprechend machte Dieter die erforderliche Aus- und Weiterbildung. Sein neuer Standort war nun in Bayern, genauer gesagt am Fliegerhorst des Jagdgeschwaders 74 in Memmingen. Nach einigen Flugzeugmustern, unter anderem der *Fiat G.91*, wechselte er auf das berühmteste Jagdflugzeug der Bundeswehr: Lockheed F-104 Starfighter.

Und absolvierte 1.600 Flugstunden auf diesem Flugzeugtyp. Bei seiner Frühpensionierung bei der Luftwaffe war Dieter erst 38 Jahre alt. Er suchte sich ein zweites Leben in der Fliegerei. Die Konstruktion und Vermarktung seines Kleinflugzeuges *Typ Albatrossen* über seine eigene Flugschule wurde ein finanzielles Fiasko. Aber Dieter ließ sich nicht unterkriegen. Fortan reaktivierte er seine Fluglizenz für den Hubschrauber. Dies gelang ihm spielerisch und mit leichter Hand. Nun flog er Arbeiter zu Bohrinseln per Hubschrauber. Aber auch einige Jahre im Rettungsflug folgten. Sein großer Wunsch: Ein eigener Hubschrauber. So schaffte er sich die *Bell-47G* an und offerierte jahrelang Rundflüge für zahlende Fluggäste. Die Fixkosten waren gedeckt.

Dieter Verbarg: Immer freundlich und gut gelaunt

Bei unserem letzten Treffen auf der *AERO 2019* erzählte er mir gut gelaunt von seinem neuen Projekt. Zusammen mit seinem Fliegerfreund Ralf E. soll eine *UH-1D* aus dem ehemaligen Bundeswehrbestand angeschafft werden. Und tatsächlich konnte ich mich im Sommer 2023 davon überzeugen. In einem Flugzeughangar eines kleinen Flugplatzes in der Nähe von Stuttgart steht sie nun, derzeit jedoch noch ohne Zulassung. Eine Bell UH-1D. In dem Hangar ist auch die *Bell-47* geparkt. Der letzte Lebenstraum von Dieter Verbarg ist nicht erloschen und wird hoffentlich weitergelebt. Für diesen Artikel wurden verschiedene Quellen wie Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur und Flug Revue genutzt.

Sigi *Blacky* Schwarz / Dieter Verbarg
*M.A.S.H.* - Formation
Scalaria Air Challenge 2015 / Wolfgangsee
Do-Days 2015 / Friedrichshafen
Flugplatzfest 2019 Albstadt/Degerfeld
AERO 2015 / Friedrichshafen
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