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Antonov An-225 - Der Traum

Verantwortlicher Autor: Andi Schmidt München (D), 16.03.2023, 22:16 Uhr
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Antonov An-225, ILA Berlin, 27.04.18
Antonov An-225, ILA Berlin, 27.04.18  Bild: Andi Schmidt www.andi-schmidt-aviation.de

München (D) [ENA] Ende Februar 2022 wurde *Mrija*, der Traum, bei einem Raketenangriff auf die Hangar-Anlage am Flughafen Kiew-Hostomel zerstört. Das seinerzeit größte Frachtflugzeug der Welt ging bei diesen Kampfeinsätzen unwiderruflich verloren. Für die ukrainische Luftfahrt war dies ein Stich ins Herz.

Die Antonov An-225 war ein Gigant der Lüfte. Ein Einzelstück für den Spezial-Transport der sowjetischen Raumfähre Buran. Das Buran-Raumfahrtprogramm war das direkte Pendant zum US-amerikanischen Space Shuttle Raumfährenprojekt. Und für den *Huckepacktransport* der Raumfähre Buran wurde eigens die AN-225 auf Basis des vierstrahligen Militärtransportflugzeuges An-124 mit sehr viel Aufwand konstruiert. Mit zwei zusätzlichen Triebwerken, jeweils eines pro Tragfläche konnte nun eine extreme Masse an Luftfracht durch die Lüfte bewegt werden.

Gigant der Lüfte

Mit der An-225 war es möglich, komplett fertig gebaute und raumflugfähige Raumfähren ohne aerodynamische Heckverkleidung oder die gesamte *Energjia*-Kernstufe als eine einzige Außenlast sowie die Booster der *Energija* im Frachtraum zu transportieren. Auch sollte große Weltraumfracht wie zum Beispiel Bauteile einer Raumstation in einem aerodynamischen und klimatisierten Container als Außenlast nach Baikonur transportiert werden. Den Erstflug absolvierte der Gigant am 21. Dezember 1988. Die Indienststellung erfolgte bereits im Folgejahr 1989.

Technische Daten der An-225: Länge 84 m, Höhe 18 m, Flügelspannweite 88 m, Leermasse ca. 285 t. Mit der Leistung aus sechs Triebwerken wurde eine maximale Startmasse von annähernd 640 t erreicht. Dienstgipfelhöhe 11.000 m bei einer Höchstgeschwindigkeit von 850 km/h. Mit maximaler Zuladung schaffte man Strecken von 2.500 km, bei 200 t Zuladung waren 4.500 km möglich. Die für den direkten Flugbetrieb erforderliche Besatzung zählte sieben Personen, davon allein sechs Crew-Mitglieder im Cockpit.

Konstruiert für viele Jahre

Mit dem Zerfall der Sowjetunion wurde das Buran-Programm 1993 offiziell eingestellt und war bis zu diesem Datum das größte und teuerste Einzelprojekt der sowjetischen Raumfahrt. Die An-225 wurde im April 1994 zunächst außer Dienst genommen. Seit Dezember 2001 wurde das Flugzeug weltweit als Transportmittel für besondere Aufgaben von der ukrainischen *Antonov Airlines* im Charterverkehr betrieben. Frachtgut waren unter anderem einzelne Stücke von Industrieanlagen aber auch medizinische Ausrüstung im Zusammenhang der Covid-19-Pandemie zuletzt.

Das Flugzeug hätte noch viele Jahre fliegen können. Bei der Konstruktion wurde eine Betriebszeit von 24.000 Stunden angesetzt, wobei erst 5.000 Stunden erreicht waren. Zudem wurden immer wieder in der Vergangenheit Modernisierungsarbeiten durchgeführt. Am Abend des 23. Februar 2022 war die Maschine nach planmäßig erfolgten Anschlußarbeiten an einem vorübergehend anderweitig und extern verwendeten Triebwerk wieder voll betriebsfähig. Zudem bereits mit 70 t an Treibstoff ausreichend befüllt und eine einsatzbereite Besatzung soll ebenfalls vorhanden gewesen sein.

Zögern mit fatalen Folgen

Doch die akute Bedrohungslage wurde nicht erkannt beziehungsweise ignoriert mit fatalen Folgen. Ab dem 24. Februar wurde ein Flugverbot für den gesamten ukrainischen Luftraum verfügt. Wertvolle Zeit für einen möglichen Überführungsflug zum Beispiel nach Leipzig verstrich; wo bereits ausgeflogene An-124 und andere Flugzeugtypen der Fluggesellschaft beordert waren. Der Hangar am Werksflughafen Kiew-Hostomel mit der betankten An-225 geriet am 27. Februar durch einen Luftangriff in Brand.

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