Oldtimer im Flug
München (D) [ENA] *Gefallen euch die alten Flugzeuge?*. Diese Frage hallt oft über die Lautsprecher bei Veranstaltungen. Nach Minuten der Präsentation im Fluge und der anschließenden Landung bejahrt dies das Publikum mit Applaus. So manche Veranstaltung zieht tausende Besucher in ihren Bann.
Alte Flugzeuge im Museum anzuschauen hat schon seinen Reiz. Beim Betrachten des Exponats stechen viele Details deutlich hervor. Jede einzeln gesetzte Niete am Rumpf oder der Tragfläche fallen auf. Die passgenaue Einfassung der Frontscheibe im Cockpitrahmen. Die Kühlrippen am Zylindertopf des Motors. Die massive Verschraubung des Propellers an der Welle des Motorblocks. Die halb geöffneten Klappen an der Motorenverkleidung zur Kühlung des Öls während des Fluges.
Museum
Ein paar Meter weiter die zahlreichen Beschriftungen im Bereich der Verbindung zwischen Rumpf und Flügel. *No step* markiert Bereiche mit dünnem Blech die sich beim Einstieg ins Cockpit entsprechend verformen würden und die glatte Struktur der Außenhaut schädigen. Der Fahwerksbereich mit einer Vielzahl an Gestänge und Schläuchen. Kleine Metalldosen mit der Beschriftung *Brake-Fuel*. Die Räder mit eingebauter Trommelbremse. Schraubfedern, verbaut im Federbein und Schwingen aus Stahl zur Dämpfung des Fahrwerks.
An der Flügelunterseite mehrere Stangen und Gelenke zum Ansteuern von Bremsklappen oder dem Querruder. Am Seitenleitwerk einige kleine Sichtfenster zur optischen Funktionskontrolle von Seilzügen und Umlaufrollen. Das ausgestellte Flugzeug ist nun nahezu komplett umrundet. Jeder geänderte Blickwinkel offenbart neue Details an der Maschine. Das nun gesteigerte Vorstellungsvermögen und die Phantasie hat seine Obergrenze erreicht. Eine Verstärkung der Eindrücke ist jedoch möglich durch die Sichtung des Oldtimers im Flug.
Veranstaltung
Bei einer Flugveranstaltung wird der Zuschauer von verschiedenen Szenarien rund um die Maschine in den Bann gezogen. Die Flugvorbereitung gleicht einem Drehbuch in unterschiedlichen Etappen. Dabei steht zuerst die Maschine im Mittelpunkt. Kontrolle des Motors bezüglich ausreichend Öl mittels eines Meßstabes. Danach wird der Propeller per Hand drei-, viermal komplett durchgedreht um eine gleichmäßige Verteilung des Motoröls in allen Zylindern zu ermöglichen. Diese anstrengende Tätigkeit wird meist durch eine Bodencrew erledigt.
Jetzt tritt der Pilot in Aktion. Per Hand prüft er die Funktion aller Steuerungsruder. Seiten-, Höhen- und Querruder müssen frei beweglich sein. Ein Blick auf den Flügelansatz, die Reifen und den Federnbeinen ist obligatorisch. Ebenfalls erfolgt eine Sichtprüfung des Propellers. Der Pilot hat im Cockpit Platz genommen und sich angeschnallt. Die Bodencrew hat die Bremsklötze an den Reifen entfernt und schiebt die Maschine einige Meter von den Zuschauern zurück. Leicht schräg abgestellt steht die North American T-28 Trojan nun da.
*Prop clear* ist das Zeichen für den Piloten. Der Propeller dreht ein Viertel, stockt, dreht weitere 180 Grad. Und springt letztendlich an. Heller Rauch steigt auf. Das überschüssige Öl in den Zylindern verbrennt. Satter Motorensound füllt das Veranstaltungsgelände. Der Neunzylinder-Motor mit 28 Liter Hubraum und etwa 1400 PS ist zum Leben erwacht. Und läuft mit niedriger Drehzahl warm. Der Pilot erhöht die Motordrehzahl für einige Sekunden.
Der nötige Öldruck ist nun aufgebaut und die Betriebstemperatur des Motors ist erreicht. Noch etwas mehr Drehzahl am Motor versetzt die Maschine mit einem Eigengewicht von nahezu drei Tonnen langsam in Bewegung. Die Maschine rollt mit geöffneter Cockpithaube im Zick-Zack-Kurs zum Startpunkt und dreht in die Pistenachse ein. Mit hoher Motordrehzahl beschleunigt die Maschine.
Nach einigen Sekunden Startlauf und dutzenden an Metern Rollstrecke ist die Geschwindigkeit V-3 erreicht und das Flugzeug kann abheben. Im flachen Winkel hat sich die Maschine vom Boden gelöst. Die Maschine nimmt weiter an Fahrt auf, das Fahrwerk wird eingezogen. Satter Motorensound liegt in der Luft. Das Abenteuer, Solo-Display des Flug-Oldtimer kann beginnen. Die Szenerie, ein 80 Jahre altes Flugzeug fliegend zu sehen, gefällt den vielen Zuschauern und schafft Momente purer Gänsehaut.




















































